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2009-10-04, Autor: Tobias Scherbaum
Gentoo Linux feiert 10. Geburtstag!

Release

Mit der Veröffentlichung einer neuen, speziellen Geburtstags-LiveDVD feiert Gentoo seinen 10. Geburtstag. Weitere Informationen zu der LiveDVD finden Sie in der Ankündigung.

Die Entwicklung der Gentoo Distribution begann 1999 unter dem Code-Namen „Enoch“. Mindestens eine Version dieses Gentoo Vorgängers, die Version 0.75, wurde auch öffentlich verteilt und ist auch heute noch verfügbar1. Mit Version 1.0 des Gentoo Vorgängers fand eine Umbenennung statt – das Kind hörte nun auf den Namen Gentoo.

Eine Aktualisierung des PC-Systems von Gentoo Gründer Daniel Robbins führte im Verlauf zu einem Stillstand der Weiterentwicklung der Gentoo Distribution, mit dem Wissen von heute: zum Glück. Nachdem Daniel seine Workstation von einem Celeron 300 auf einen Dual-Celeron 366 MHz aufgerüstet hatte, traten seltsamerweise nur im Idle-Zustand Lockups auf, das System fror ein.
Gefrustet legte Daniel die Weiterentwicklung von Gentoo aufs Eis und installierte FreeBSD. Dort begeisterte er sich sehr schnell für das Ports System, die Idee alle Programmen aus den Quellen zu kompilieren war zu seinem Gentoo Ansatz sehr ähnlich. In der Zeitspanne um die Veröffentlichung des ersten Linux-Kernels der 2.4er Reihe, kehrte Daniel zu Linux zurück. Die rasch fortgeschrittene Entwicklung des Linux-Kernels, inbesondere um den TCP/IP-Stack, aber auch Dateisysteme wie ReiserFS begeisterten ihn – dieses mal für Linux.
Der Ausflug zu FreeBSD hin zeigte Daniel, wie ein Autobuild-System, das er damals erstmals Portage nannte, funktionieren sollte. Im März 2002 erschien die Version 1.0 der Gentoo Distribution, damals ausschließlich für x86-basierte PC-Systeme.

Nach Veröffentlichung der Version 1.0 der Gentoo Distribution und mit zunehmend immer schneller werdenden Prozessoren zieht Gentoo immer mehr Benutzer – aber auch Entwickler an. Unter anderem mit PowerPC werden Ende 2002 auch erstmals weitere Architekturen von Gentoo unterstützt.
Im Juni 2003 war Gentoo auf dem LinuxTag in Karlsuhe erstmals im deutschsprachigen Raum vertreten, die Gründung des Förderverein Gentoo e.V. im Herbst gleichen Jahres rund um die Practical Linux Veranstaltung in Giessen sollte solche Beteiligungen bei Messen und Ausstellungen langfristig auf feste Beine stellen.
Kurz vor der Practical Linux Ausstellung in Giessen wurde Gentoo 1.4 veröffentlicht.
Das Jahr 2004 markiert gleich mehrere Wendepunkte in der Gentoo Historie. 2004 markiert den Wechseln von einer Benennung der Installationsmedien nach klassischer Versionierung, hin zu zu einer Bezeichnung, die mehr auf den Schnapschuss-Charakter der Medien schließen lassen soll. Es erscheinen die Gentoo Versionen 2004.0, 2004.1, 2004.2 und 2004.3 in Quartalsfolge. Die einschneidenste Änderung trifft im April ein: Gentoo Gründer Daniel Robbins verlässt das Projekt.

Bevor Daniel Robbins das Projekt 2004 verließ, gründete er die Gentoo Foundation, Inc. und ernannte deren erstes „Board of Trustees“. Hauptziele der Gentoo Foundation sind die Wahrung rechtlicher Interessen, als auch die Sicherstellung der Finanzierung. Die Gentoo Foundation soll Rahmenbedingungen für die Distribution schaffen und sichern – ohne selbst aktiv in die Entwicklung der Distribution einzugreifen oder diese bewusst zu steuern. Das „Board of Trustees“, am ehesten vergleichbar mit einem Vorstand nach deutschen Vereinsrecht, wird seit 2005 alljährlich neu gewählt. Wahlberechtigt sind zum einen Gentoo Entwickler, die bereits mehr als ein Jahr an der Distribution mitarbeiten und zum anderen ehemalige Gentoo Entwickler, die an vorangegangenen Wahlen teilgenommen haben.

Neben den ersten Wahlen zum „Board of Trustees“ der Gentoo Foundation gab es im Jahr 2005 eine weitere einschneidende Entscheidung – die Wahl zum ersten Gentoo Council.
Zuvor war das Gentoo Projekt nach einem Metastruktur-Modell organisiert. Projekte innerhalb der Distribution waren zu Toplevel-Projekten zusammengefasst, die wiederum durch Manager in 14-tägigen Manager-Meetings vertreten waren. Als eines von mehreren Problem, die im Frühjahr 2005 zu ersten Diskussionen während des FOSDEM2 in Brüssel führten, ist unter anderem die Ungleichheit zwischen der Repräsentanz von Toplevel-Projekten durch Manager und der realen Entwicklungsarbeit durch Paketbetreuer und Architektur-Teams zu nennen. Der Status einiger Toplevel-Projekte begründete sich in historischen Gegebenheiten, eine Vielzahl Entwickler war durch kein Toplevel-Projekt vertreten und die Manager-Meetings durch regelmäßige Abwesenheit von Managern de fakto nicht mehr Entscheidungsfähig.
In Folge wurden verschiedene Varianten diskutiert, als deren Ergebnis ein neues aus dem Kreis der Entwickler gewähltes Modell stand. Dieses sieht eine jährlich neu zu wählende Vertretung aller Entwickler, das Gentoo Council, als auch die Vereinfachung der Definition und Einführung von Projekten vor.
Das Gentoo Council, bestehend aus 7 Entwicklern, soll mindestens ein monatliches Meeting abhalten, in dem über globale, also mehrere Projekte betreffende, Probleme beraten und entschieden wird. Ein Projekt kann von einem oder mehreren Entwicklern bei Bedarf und Notwendigkeit erstellt werden. So gibt es mittlerweile ein Web-Applications Projekt, das in der Form erst mit der Neustrukturierung möglich wurde – zuvor hätte es in kein Toplevel-Projekt gepasst.

Mit einem ähnlichen Ziel wie die Gentoo Foundation im Jahr 2004 wurde bereits ein Jahr zuvor der deutsche Förderverein Gentoo e.V. gegründet. Dieser sieht seine Hauptaufgaben in der Repräsentation der Distribution bei Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum, Sicherung rechtlicher Rahmenbedingungen und Förderung und Stärkung der deutschsprachigen Benutzergemeinde.
Heute betreibt der Förderverein Gentoo e.V. unter anderem die deutschsprachige Community-Seite www.gentoo.de und stellt die Infrastruktur für die Koordination der deutschsprachigen Übersetzungen zur Verfügung
Mit Beteiligungen an Messen, Ausstellungen und Veranstaltungen wie LinuxTag, Linux World Expo, Chemnitzer Linux-Tage, Come2Linux – Linux-Tage in Essen und weiteren Veranstaltungen erfüllt der Förderverein Gentoo e.V. darüber hinaus mittlerweile viele seiner zugedachten Aufgaben. In den

Auszug aus: Gentoo Linux: Die Metadistribution, ISBN: 978-3-8266-5941-6, erschienen 2008 im MITP-Verlag.

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