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Monate lang haben wir alle - und ich bin sicher, dazu darf ich auch eingefleischte Gnome-Anwender zählen - darauf gewartet: KDE 4.0. Jetzt ist
es endlich da und scheint genau so revolutionär wie Windows Vista(R) zu sein: Es ist schön bunt und Vieles läuft nicht. Genau wie vor knapp
einem Jahr bei Vista gab es auch bei KDE-4.0 sogenannte Early Adopters, die es sofort nach Erscheinen installierten aber bereits nach wenigen
Tagen wieder von ihrer Festplatte verbannt haben, weil damit kaum zu arbeiten ist. Dabei sollte KDE 4.0 doch (wiedereinmal) das Jahr des
Linux-Desktops einleiten. Mit tollen Neuerungen, die - man muss es zugeben - alle erfolgreich von Mac-OS vorgelegt wurden.
Wo bleiben denn die wirklichen Revolutionen, die eigentlich mit freier Software möglich sein könnten? Immer orientiert man sich an
schon bestehenden, auf anderen Systemen erfolgreichen Konzepten. Etwas wirklich Neues bekommt man von Seiten der freien Desktop-Environments
aber nicht zu Gesicht. Warum diese Rücksicht? Warum so konservativ? Es gibt doch keine Investoren die möchten, dass die Dividende
stimmt. Warum nicht einfach einmal ins Blaue hinein entwickeln? Mit völlig neuen Bedienkonzepten, die auf den ersten Blick seltsam anmuten?
Nein, stattdessen beruft man sich auf bekannte Dinge, die der Wind aus Redmond und Cupertino herübergeweht hat
Aber scheinbar brauchen freie Projekte auch marketingtechnische Beratung. Mal ehrlich: Warum nennt man eine Version, die "lediglich neue
Konzepte implementieren soll aber noch nicht für den Anwender benutzbar ist" denn 4.0 und nicht 3.99.9999999999999 (oder so ähnlich).
Der normale Anwender erwartet bei neuen Major Releases nun einmal die neueste Version für seinen Anwendungsbereich. Wenn er nun eine Art
Beta oder Proof-of-Concept oder weiss der Teufel was bekommt, dann fühlt er sich verständlicherweise vor den Kopf gestossen. Ich persönlich
habe Respekt vor den Entwicklern sowohl hinter KDE als auch hinter GNOME. Leider bestehen beide Gruppen aus Menschen. KDE beansprucht für
sich das Desktop-Environment schlechthin für *nix-basierte/-verwandte Systeme zu sein. Gnome behauptet das freiere System mit den besseren Idealen
und dem kleineren Memory-Footprint (haha, Wortspiel) zu sein. Macken haben auf jeden Fall beide Systeme und auch manche Entwickler, letztere
meistens sozialer Natur.
Ich persönlich würde mich über eine richtige, wirklich tolle Entwicklungsumgebung freuen, mit der man wirklich ohne Gebastel an Allem
arbeiten kann. Unter Linux macht Kdevelop einen guten Anfang. Das Mass der Dinge ist für mich allerdings Microsoft Visual-Studio. Nein,
das ist keine Schleichwerbung. Wer schon einmal damit gearbeitet hat, der wird die Unterschiede zu Kdevelop sicherlich ebenfalls kennen
und mir zustimmen. Aber ich bin eben nicht 90% der Anwenderschaft. Hoffen wir also, dass sich in diesem Jahr im Desktopbereich unter *nix
zumindest ein bisschen was tut. Es muss ja nicht immer das Jahr des Linux-Desktops sein.
In dieser Kolumne werden die Geschehnisse rund um Gentoo und den Rest
der IT-Welt süffisant mit leicht bissigem Unterton kommentiert.
Themenwünsche können gerne an den Autoren unter
feedback@beejaysworld.de gerichtet werden.
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