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2008-01-14, Autor: Benjamin Judas
Der Senf: Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben

Beejays Kolumne: Der Senf

Ja, ein reisserischer Titel. Und nein, dieser Titel hat ausnahmsweise nichts mit jugendlichen Gewälttätern und sog. "Gefährdern" zu tun. Aber er beschreibt ziemlich gut den noch zu erörternden Status Quo bei Gentoo. Jetzt wo der Karren im knietiefen Schlamm steht kommt der gelbe Engel in Form von "Dr. Obbins". Ein Hoch auf Daniel! Er wird uns allen Seelenheil bringen und uns ins gelobte Land führen!

Nunja, man kann glauben was man will. Wie heisst es doch so schön? "Meinungen sind das Ergebnis subjektiver Eindrücke". Im Gentoo-Forum stimmen die User fröhlich darüber ab, ob Daniel Robbins wieder zu Gentoo zurückkehren und die Führung übernehmen sollte. Und erstaunliche 90% sind dafür. Nur sind von diesen 90% - wenn man die Anmeldedaten im Forum betrachtet - ebenfalls knapp 90% nach 2003 zu Gentoo hinzugestossen, sei es nun als Anwender oder als Developer oder Staff-Mitglied. Man muss diesen Herrschaften unterstellen, dass Sie nicht wissen wie der Führungsstil damals war. Drobbins betrieb den Shop, das Verbleiben der Gelder war damals lange Zeit mehr als fraglich. Gerade deshalb hatte er sich damals zum ersten Mal aus dem Projekt zurückgezogen und die Geschicke in die Hände der Foundation gelegt.

Jetzt bietet er sich an genau das zu tun, was er damals schon tat. Und viele rennen wie die Lemminge hinterher, obwohl Sie nicht wissen, dass das Projekt damit einen evolutionären Rückschritt macht. Ich erinnere mich noch damals an das Gespräch zwischen den Vereinsgründern des Gentoo e.V. mit Daniel bei dem man erklären wollte, dass man einen gemeinnützigen Verein gegründet hatte. Die Tatsache etwas könnte sich seinem Einflussbereich entziehen konnte ihm erst nach sehr gutem Zureden schmackhaft gemacht werden

Das liest sich nun so, als sei Daniel die Reinkarnation eines absolutistischen Herrschers, dem ist aber nur bedingt so. Als Patriarch hat er Gentoo zwar nicht kommandiert, aber gesteuert. Vieles lief vor sich hin und wenn dem Herrn etwas nicht passte, dann sprach er ein Machtwort - notfalls auch mit Unterstützung des damals schon bestehenden Infra-Teams (die Interpretation dieses Nebensatzes überlasse ich nun jedem selbst). Unschöne Strategie - aber der Laden brummte.

Dass Daniel nichts mehr für Gentoo empfindet sagte er mir schon bei seinem ersten Weggang. Dann kam er zurück und prompt gab es Stunk. Jetzt möchte er wieder zurückkommen, sogar ohne seine Ziele zu verheimlichen. Und trotzdem schreien alle "Ja!"? Ich bin schon lange kein Developer mehr und war zu meiner aktiven Zeit auch nie Trustee oder Council-Mitglied. Aber in einem bin ich mir sicher: Gentoo muss die - Verzeihung - postengeilen Idioten endlich loswerden. Es kann nicht sein, dass jemand den Vorsitz eines Unterprojekts übernimmt, der in deutlicher Weise Posten und Titel sammelt ohne nach der feierlichen Ernennung auch noch ein einziges Mal seine vier Buchstaben zu heben.

Es bleibt spannend zu warten wie sich die sog. Meinungsmacher bei Gentoo entscheiden werden. Das Schlimme ist, dass egal wie man sich entscheiden wird, man wird Leute verärgern. Daniel hat der Distribution der er helfen möchte bereits jetzt einen Bärendienst erwiesen.

In dieser Kolumne werden die Geschehnisse rund um Gentoo und den Rest der IT-Welt süffisant mit leicht bissigem Unterton kommentiert. Themenwünsche können gerne an den Autoren unter feedback@beejaysworld.de gerichtet werden.

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